Henna, Indigo, Cassia: Die Pflanzen hinter der pflanzlichen Haarfarbe

Henna, Indigo, Cassia: Die Pflanzen hinter der Pflanzenhaarfarbe

Pflanzliche Haarfarbe basiert nicht auf einer neuartigen Technologie. Die zum Färben von Haaren und Textilfasern verwendeten Pflanzen sind seit Jahrtausenden in ganz Südasien, dem Nahen Osten und Nordafrika bekannt. Neu ist das wissenschaftliche Verständnis der molekularen Mechanismen — und die Formulierung, die vorhersehbare, reproduzierbare Ergebnisse bei der Heimanwendung ermöglicht.

Tresse Paris Farbe basiert auf drei Kernpflanzen: Henna, Indigo und Cassia, ergänzt durch weitere Pflanzen für ihre haarpflegenden Eigenschaften.

Henna — Lawsonia Inermis

Henna ist die älteste bekannte Färbepflanze. Ihre Blätter enthalten Lawson (2-Hydroxy-1,4-Naphthochinon), ein einzigartiges Pigmentmolekül, das sich durch kovalente Bindungen an Keratin bindet — eine starke, dauerhafte chemische Verbindung, die bei keinem anderen natürlichen Farbstoff so gefunden wird.

Färbemechanismus: Lawson dringt in die Haarschuppenschicht ein und bindet an die Amingruppen des Keratins. Diese Bindung ist irreversibel: Henna "wäscht sich nicht aus" — es verblasst schrittweise, wenn das Haar wächst und die äußersten Keratinschichten natürlich abgestoßen werden.

Erzeugte Farbtöne: Reines Henna ergibt je nach natürlicher Ausgangslage eine Farbe von Kupferorange bis Rotbraun. Auf weißen Haaren: Orange bis leuchtendes Rotbraun. Auf dunklen Haaren: der Oberflächeneffekt ist kaum wahrnehmbar, aber Glanz und Volumen verbessern sich deutlich.

Haarpflegende Eigenschaften von Henna:

  • Versiegelt die Haarschuppen (glättender Effekt)
  • Erhöht den scheinbaren Haardurchmesser (Volumeneffekt)
  • Stärkt die mechanische Widerstandsfähigkeit der Faser (Anti-Bruch)
  • Leicht adstringierend und antimykotisch

Warnung vor "schwarzem Henna": Echtes natürliches Henna ergibt niemals eine schwarze Farbe. Als "schwarzes Henna" vermarktete Produkte enthalten PPD (Paraphenylendiamin) — ein chemisches Allergen, das als starker Sensibilisator eingestuft ist. Das ist keine pflanzliche Haarfarbe. Das ist kein Henna.


Indigo — Indigofera Tinctoria

Indigo wird seit über 6.000 Jahren als Textilfarbstoff verwendet (traditionelles Denim verdankt seine Farbe dem Indigo). Bei der Haarfärbung spielt er eine komplementäre und unverzichtbare Rolle neben Henna.

Mechanismus: Indigotin (der aktive Pigmentstoff des Indigos) erzeugt Blau-Violett-Töne, die in Kombination mit dem Orange des Hennas durch subtraktive Farbmischung die gesamte Bandbreite an Braun-, Kastanien- und Schwarztönen ergeben. Die gesamte Palette der menschlichen Braunhaartöne lässt sich durch präzise Henna/Indigo-Verhältnisse reproduzieren:

  • Wenig Indigo + viel Henna: Hellkastanie, Haselnuss
  • Ausgeglichenes Henna/Indigo: Tiefkastanie, Schokoladenbraun
  • Wenig Henna + viel Indigo: Intensivschwarz, Blauschwarz

Wichtige Besonderheit: Indigo allein bedeckt graue Haare nicht wirksam. Es benötigt Henna als "Beize" — eine Substanz, die hilft, Pigmente an der Faser zu verankern. Dies ist der Grund für die 2-Schritt-Methode: zuerst Henna (das sich im grauen Haar verankert), dann die Henna-Indigo-Mischung (die die endgültige Farbe ergibt). Ohne diesen Verankerungsschritt ist die Indigoabdeckung auf Grau fleckig und von kurzer Dauer.


Cassia — Cassia Obovata (Senna Obtusifolia)

Cassia wird oft "neutrales Henna" genannt — ein irreführender Begriff, da es das Haar nicht färbt. Sein Lawsongehalt ist vernachlässigbar. Es gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler, nicht zu den Lythraceae wie Henna.

Wirkung auf das Haar:

  • Auf sehr hellem Haar (weiß, blond, sehr hellkastanie): kaum wahrnehmbare goldene Reflexe.
  • Auf braunem oder dunklem Haar: keinerlei sichtbarer Farbeffekt.
  • Pflegender Effekt: Die Anthrachinone der Cassia nähren, geschmeidigen und verleihen der Faser Glanz — ein rein haarpflegender Nutzen, der sie zu einer wertvollen Ergänzung in jeder Pflanzenfarbmischung macht.

Cassia wird in Tresse Paris Formeln für seine Konditionierungseigenschaften und seine Fähigkeit verwendet, das Endergebnis zu "sanften" und die stärker adstringierende Wirkung des Hennas auszugleichen.


Ergänzende Pflanzen

Amla — Phyllanthus Emblica (Emblica Officinalis)

Die Amla-Frucht (indische Stachelbeere) ist außergewöhnlich reich an Vitamin C und Tanninen. In Pflanzenfarbformeln:

  • Intensiviert die Endfarbe durch verbesserte Pigmentfixierung
  • Neutralisiert zu warme oder rötlich-orange Reflexe des Hennas
  • Versäuert die Mischung (senkt den pH-Wert), was die Kutikula versiegelt und die Verankerung verbessert
  • Antioxidative Eigenschaften, die die Haarfaser vor oxidativen Schäden schützen

Bhringraj — Eclipta Alba

Eine traditionelle ayurvedische Pflanze, die zur Stimulierung des Haarwachstums verwendet wird. In Farbformeln:

  • Verbessert die Mikrozirkulation der Kopfhaut
  • Stärkt den Haarbalg
  • Trägt zu Glanz und Faserpflege bei

Shikakai — Acacia Concinna

Eine natürliche Reinigungspflanze, deren milde Saponine sanft reinigen, ohne die Haare auszulaugen. Sie bereitet die Kopfhaut auf die Aufnahme der Pigmente vor.


Eine INCI-Liste lesen: Echt von Falsch unterscheiden

Die INCI-Liste ist auf jedem in Europa verkauften Kosmetikprodukt vorgeschrieben. Für eine echte zertifizierte Pflanzenhaarfarbe:

Was Sie sehen müssen:

  • Lawsonia Inermis (Henna)
  • Indigofera Tinctoria (Indigo)
  • Cassia Obovata oder Senna Obtusifolia (Cassia)
  • Optional: Emblica Officinalis (Amla), Eclipta Alba (Bhringraj)

Was Sie NICHT sehen dürfen:

  • p-Phenylenediamine oder PPD — starkes Allergen, verkleidete chemische Farbe
  • Resorcinol — verdächtiger endokriner Disruptor
  • Hydrogen Peroxide oder Ammonium Hydroxide — chemische Mittel aus Dauerwellen
  • Sodium Sulfite oder Potassium Persulfate — oxidierende Bleichmittel

Die COSMOS Organic Zertifizierung geht weiter als das bloße Lesen der INCI: Sie garantiert, dass Inhaltsstoffe von einer unabhängigen Drittstelle überprüft wurden, dass Pflanzen aus zertifiziertem biologischem Anbau stammen und kein nicht zugelassener synthetischer Stoff vorhanden ist. Dies ist das höchste verfügbare Garantieniveau für eine natürliche Haarfarbe.


Warum diese Pflanzen — und nicht andere

Weltweit gibt es Hunderte von Färbepflanzen (Kurkuma, Saflor, Wau, Waid...). Die Kombination Henna-Indigo-Cassia hat sich aus praktischen Gründen durchgesetzt:

  • Farbpalette: Von Goldblond bis Intensivschwarz, alle Brauntöne abdeckend — eine Palette so vollständig wie chemische Haarfarben.
  • Dauerhafte Fixierung: Die kovalente Bindung von Lawson hat unter natürlichen Farbstoffen keine Entsprechung. Sie ist im chemischen Sinne wirklich permanent.
  • Validierte Sicherheit: Jahrtausende traditioneller Nutzung, ergänzt durch moderne toxikologische Sicherheitstests.
  • Haarverträglichkeit: Die stärkenden Eigenschaften dieser Pflanzen auf Keratin sind wissenschaftlich dokumentiert.

Unsere Empfehlung

Eine pflanzliche Haarfarbe zu wählen bedeutet zunächst, die Pflanzen zu wählen, aus denen sie besteht. Bei Tresse Paris sind die Pulver 100 % pflanzlich, COSMOS Organic zertifiziert, frei von PPD, Ammoniak und Peroxid. Was Sie auf Ihr Haar auftragen, ist genau das, was auf dem Etikett steht — nicht mehr, nicht weniger. Entdecken Sie die vollständige Tresse Paris Kollektion und finden Sie Ihren Farbton basierend auf Ihrer natürlichen Ausgangslage.

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